… damit das Schwimmen(lernen) nicht baden geht!

Autor Detlef Kuhlmann stellt fest, dass es offenbar zahlreicher, noch die da gewesener Anstrengungen in Deutschland braucht, damit das Schwimmen(lernen) nicht baden geht.

In Deutschland können immer weniger Kinder nach der Grundschulzeit schwimmen. Foto: picture-alliance
In Deutschland können immer weniger Kinder nach der Grundschulzeit schwimmen. Foto: picture-alliance

Bewegen im Wasser fasziniert die Menschen. Schwimmen ist Teil unserer Kultur. So ähnlich steht es im Leitbild des Deutschen Schwimm-Verbandes (dsv), der sich zusammen mit anderen Verbänden und Organisationen schon seit längerem um die Zukunft des Schwimmsports, respektive um den Erhalt von Hallen- und Freibädern hierzulande große Sorgen macht.

Im bundesweiten Aktionsbündnis „Pro Bad“, das 2010 gegründet wurde und sich die Zukunftsfähigkeit des Bestandes an Hallen- und Freibäder in Deutschland auf die Fahnen geschrieben hat, sind neben dem dsv z.B. die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und jüngst der Verband Deutscher Sporttaucher zusammengeschlossen. Längst haben sich auch in einzelnen Bundesländern weitere Initiativen in gleicher Sache gebildet wie z.B. im Mai 2014 mit der Verabschiedung einer „Resolution zum Erhalt von Hallen- und Freibädern im Saarland“ unter Federführung des Landessportverbandes für das Saarland und mit dem saarländischen Schwimmbund, dem Kanubund, dem Tunerbund sowie dem Sportlehrerverband des Saarlandes als weitere (Erst-)Unterzeichner.

Das „DLRG-Barometer 2013“ ist auf 446 Todesfälle durch Ertrinken gestiegen. Das bedeutet eine Steigerung von 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und es bleibt zu hoffen, dass die DLRG für 2014 niedrigere Zahlen präsentieren kann. Jeder Tod durch Ertrinken ist einer zuviel. Die Sorge um den Erhalt und bzw. die drohende Schließung von Bädern korrespondiert mit der frühzeitigen Gefahrenaufklärung, aber noch mehr mit der frühzeitigen Ausbildung der Schwimmfähigkeit vor allem bei Kindern. Sogar der bekannte Kolumnist Harald Martenstein sorgt sich jüngst im ZEIT-Magazin „Über die zunehmende Zahl von Nichtschwimmern“.

Um das Schwimmen in der Schule könnte es besser bestellt sein. Angeblich können nur noch 30 Prozent aller Viertklässler am Ende der Grundschulzeit schwimmen. Daher hat sich z.B. in Baden-Württemberg eine Initiative u.a. mit den Schwimmverbänden, der DLRG, dem Landesverband des Deutschen Sportlehrerverbandes gebildet und einen Forderungskatalog „Schwimmen in der Schule“ verfasst.

Dieser sieht im Kern vor, dass kein Kind in Baden-Württemberg die Grundschule ohne nachweisliche Schwimmfähigkeit in Form des „Jugendschwimmabzeichen Bronze“ verlässt. Ebenso soll Anfängerschwimmen verpflichtender Inhalt der Grundschullehrerausbildung sein.

In die gleiche Richtung gehen auch die 14-seitigen Empfehlungen der Kommission Schwimmen der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, die für alle Bachelor- bzw. Masterstudiengänge, die in die Lehrämter mit dem Fach Sport münden, mindestens drei Semesterwochenstunden Schwimmen plus Nachweis der Rettungsfähigkeit für alle Sportstudierende vorsehen. Ein (Zwischen-) Fazit: Es bedarf offenbar zahlreicher und in dieser Form noch nie da gewesener Anstrengungen, damit das Schwimmen(lernen) nicht baden geht!

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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    In Deutschland können immer weniger Kinder nach der Grundschulzeit schwimmen. Foto: picture-alliance