Ehrenamtsnachweis und Qualifikations-Pass

Das Jahr 2011 ist offiziell das "Europäische Jahr des Ehrenamts". Vor diesem Hintergrund rücken Menschen in den Fokus, die im organisierten Sport für ihre Vereine Zeit und Energie opfern.

Bundesweit gibt es in Vereinen und Verbänden viele ehrenamtlich Tätige, einen einheitlichen Nachweis gibt es bisher nicht. Foto: dsj
Bundesweit gibt es in Vereinen und Verbänden viele ehrenamtlich Tätige, einen einheitlichen Nachweis gibt es bisher nicht. Foto: dsj

Für alle, die sich im Sport auf ganz unterschiedliche Weise ehrenamtlich engagieren und dabei womöglich noch qualifizieren, um beispielsweise als Übungsleiter besser für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen oder Seniorensportlern gerüstet zu sein oder als Vorsitzender oder Kassenwart für die Vereinsführung befähigt zu werden, halten Bundesländer und Landessportbünde inzwischen ganz spezielle Belobigungen bereit.

"Landesnachweis", "Freiwilligen-Pass", "Quali-Pass" oder "Ehrenamtsnachweis" zum Beispiel heißen zwischen Stuttgart und Berlin diese Instrumente. Damit wird freiwilliges gesellschaftliches Engagement offiziell bestätigt und vor aller Welt beglaubigt und auf diesem Wege den betreffenden Personen zugleich eine Art Nachweis ausgestellt, der ihnen etwa bei Vorstellungs- oder Bewerbungsgesprächen einen Vorteil verschaffen kann.

Auf den inneren Zusammenhang der Dokumentation von Lob und Eigenlob für die ehrenamtlich Tätigen im Sport weist beispielsweise der Landessportbund Nordrhein-Westfalen auf der Internetseite www.lsb-nrw.landesnachweis.de ausdrücklich hin. "Mit dem Landesnachweis `Ehrenamtliches Engagement im Sport´ würdigen und dokumentieren das Land und der LSB den freiwilligen Einsatz im Sport. Die Initiative wird von den Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden NRW unterstützt. Hier können Sie als Verein, Verband oder Bund den Landesnachweis für Ihre Ehrenamtlichen beantragen", heißt es dort. Und weiter: "Ehrenamtliches Engagement, Kompetenzen und fachliches Know-how sind nicht nur im Sport hilfreich und anerkennenswert, sondern auch im Berufsleben gefragt. Es sind oft die kleinen Unterschiede, die einen Bewerber von Mitbewerbern unterscheiden."

NRW: Nur Wenige nutzen den "Landesnachweis"

Dessen ungeachtet machen von der Einladung, via Internet-Formular einen Antrag zu stellen und sich in NRW das persönliche Engagement im Sport bescheinigen zu lassen, nur relativ Wenige Gebrauch. "Unser Ziel war ursprünglich, etwa 1000 Landesnachweise pro Jahr zu vergeben", sagt Dirk Engelhard, der LSB-Referent für Engagement und Ehrenamt, mit Blick auf den 2003 aus der Taufe gehobenen "Landesnachweis". Tatsächlich seien es pro Jahr ungefähr nur einhundert, die beantragt werden - und das bei etwa 500.000 Ehrenamtlichen, die sich unter dem Dach des LSB in NRW für zirka 7 Millionen Vereinsmitglieder mit gut 5 Millionen aktiven Sportlern engagieren. Vor diesem Hintergrund sei man gerade dabei, "das Thema grundlegend zu diskutieren", berichtet Dirk Engelhard. Konkret wird mit den zuständigen Ministerien und der Landespolitik erörtert, wie die momentan noch getrennt voneinander vorgenommenen Nachweise für sportliches bzw. soziales Engagement zusammengeführt und zu einem einzigen "Landesnachweis" verschmolzen werden können nach dem Motto: Einigkeit macht vielleicht stärker!

Neuerungen nicht zufällig im "Europäischen Jahr des Ehrenamts" sind ebenfalls aus dem Einzugsgebiet des Landessportverbandes (LSV) Bayern zu vermelden. Laut Geschäftsführer Thomas Kern existiert der "Ehrenamts-Nachweis" als Beleg für freiwillig geleistete ehrenamtliche Arbeit und Qualifikation im Freistaat seit vier Jahren. Bisher allerdings sei es lediglich WohlfahrtsVerbänden vorbehalten. "Im Sommer dieses kommt auch der Sport dazu2, untereicht Thomas Kern den qualitativen Sprung. Ab Juli werden ebenfalls die rund 300.000 ehrenamtlich Tätigen unter den rund 4,4 Millionen aktiven Mitgliedern in 12.000 Vereinen unter dem Dach des LSV Bayern die Möglichkeit haben, einen 2Ehrenamts-Nachweis" ausgehändigt zu bekommen. Das Vorschlagsrecht sollen die jeweiligen Vereinsvorsitzenden bekommen, die ihre "Pappenheimer" ja am besten kennen.

Bestätigt werden die Angaben von den jeweiligen Sportkreisen, die ebenfalls die entsprechenden Urkunden ausstellen. Das alles solle "sehr unbürokratisch geschehen", blickt der LSV-Geschäftsführer auf die neuen Spielräume, um aktiven und rührigen Mitgliedern die Wertschätzung für ehrenamtliches Engagement zum Ausdruck bringen zu können. An einer entsprechenden Website wird derzeit gearbeitet, sie soll bis zum Startschuss im Juli eingerichtet werden.

Baden-Württemberg: Ganze Ordner für Bewerbungen

Statt einer Urkunde gibt es beim LSV Baden-Württemberg gleich einen ganzen Ordner. Schon Ende der 90er Jahre wurde diese Variante mit dem Namen "Quali-Pass" vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport in Stuttgart kreiert und seit neun Jahren liegt die Federführung dafür bei der Jugendstiftung Baden-Württemberg. "Den Ordner kann man natürlich auch über uns beantragen", erklärt Renate Dewald, die sich bei der württembergischen Sportjugend mit dem "Quali-Pass" befasst. Schulzeugnisse, Übungsleiter-Nachweise, Helfer-Bestätigungen, spezielle Schulungen oder soziales Engagement, alles könne in und mit dem Ordner dokumentiert werden. "Auf diese Weise hat man gleich alles beisammen, wenn man sich um eine Lehrstelle oder um einen Arbeitsplatz bewirbt", sagt Renate Dewald. Trotzdem gehen die Ehrenamtlichen wie in Nordrhein-Westfalen auch im "Ländle" eher bescheiden mit dieser Möglichkeit um. Pro Jahr werden laut Renate Dewald zufolge "nicht mehr als 100 Ordner" geordert.

Desgleichen beim "Freiwilligen-Pass" in Berlin ist der Sport gewissermaßen nur Zuarbeiter, denn initiiert und ausgestellt wird das Dokument in der Metropole vom Senat. "Die Ausweise können jedoch LSB beantragt werden und wir bestätigen über die Vereine natürlich gern das jeweilige ehrenamtliche Engagement des Einzelnen", sagt Heiner Brandi vom Landessportbund Berlin.

 Inhaltlich gehe es beim "Freiwilligen-Pass" nicht so sehr um fachliche Qualifikationen oder Fortbildungen, sondern viel mehr um die praktische Seite. "Im Vordergrund steht, wie man sich ehrenamtlich und gesellschaftlich ganz praktisch einbringt und was man leistet." Jeweils einmal im Jahr gebe es von Seiten des Senats eine große Veranstaltung, bei der die Pässe überreicht werden. Die Nachfrage, gesteht Heiner Brandi, sei allerdings "nicht riesig".

Harmoniserung der Nachweise wünschenswert

Möglicherweise könnte die Resonanz bei den Zeugnissen für das freiwillige individuelle Tun weit besser sein, könnten die sinnvollen Instrumentarien bekannter und damit gleichermaßen attraktiver werden, wenn die Nachweise vereinheitlicht oder über die Ländergrenzen hinweg zumindest harmonisiert würden.

Bei einer Tagung im vergangenen Jahr in Leipzig hatten Vertreter aus den unterschiedlichsten Landessportbünden dieses Thema kurz gestreift. Die Teilnehmer beklagten, dass man viel zu wenig weiß, was es in den 16 Bundesländern an Ausweisen, Urkunden und anderen Bestätigungen für den Nachweis an persönlichen Qualifikationen, Befähigungen und ehrenamtlichem Aufwand es gibt und was sich konkret hinter den verschiedenen Namen und Abkürzungen verbirgt.

"Das ist eine der Schwachstellen", unterstreicht Dirk Engelhard aus Nordrhein-Westfalen. "Es gibt zu wenig Kenntnis davon, was sich in den einzelnen Ländern tut. Man weiß zu wenig voneinander." Sein Vorschlag. Eine koordinierende und moderierende Rolle könnte beispielsweise der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einnehmen - als Dachverband des deutschen Sports und seines tatkräftigen, einsatzbereiten und dem Sport eng verbundenen ehrenamtlichen Personals.

( Autor: Andreas Müller)


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